Kategorie: Doreh Schütz

Doreh Schütz (*1966 in Berlin) widmet sich in ihrer fotografischen Arbeit der Ästhetik des Unscheinbaren. Ihre Kompositionen sind eine Einladung zur Entschleunigung; sie fungieren als Seismografen für jene Details, die im alltäglichen Rauschen oft übersehen werden. Dabei greift Schütz auf eine klare, grafische Bildsprache zurück, die in der Tradition des Bauhauses steht: Strenge Raster, kühle Lichtführungen und präzise Linien strukturieren ihre Werke. Doch diese formale Disziplin dient keinem Selbstzweck, sondern fungiert als empathisches Werkzeug, um Gegenstände und Räume aus ihrem funktionalen Kontext herauszulösen und ihre inhärente Poesie sichtbar zu machen.

Der künstlerische Prozess von Doreh Schütz ist von einer tiefen Intuition für den Moment der Ausgewogenheit geprägt. Ihre Fotografien verweigern sich dem Spektakulären und setzen stattdessen auf minimale Mittel und eine malerische Anmutung, die durch das bewusste Spiel von Licht und Schatten entsteht. Die Künstlerin verzichtet weitgehend auf nachträgliche Manipulationen; die Authentizität des gesehenen Augenblicks bleibt gewahrt. Es entstehen visuelle Konstellationen, die den Betrachter zur stillen Befragung der Wirklichkeit auffordern und das Medium Fotografie als Instrument einer geschärften Wahrnehmung neu definieren.

Die deutsch-iranische Künstlerin wuchs im geteilten Berlin auf und fand über Stationen in Hamburg und München in autodidaktischer Arbeit zu ihrer heutigen Handschrift. Ihr Werk wird regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Doreh Schütz lebt und arbeitet in München, wo sie ihre Untersuchungen zur grafischen Qualität der Welt kontinuierlich fortsetzt. 

Doreh Schütz

Q&A mit den Künstlerinnen und Künstlern:

Die Ausstellung ARTIFICIAL? Spuren des Gegenwärtigen vereintArbeiten, die unsere Wahrnehmung hinterfragen. Realität erscheint dabei nicht als gegeben, sondern als etwas, das ständig angeeignet wird. ARTIFICIAL? stelltin Frage, ob das, was wir sehen und erleben, nicht immer schon gemacht, konstruiert und vermittelt ist.

1)Wie setzt sich Deine Arbeit mit Wirklichkeit und deren Konstruktion auseinander und welche „Spuren des Gegenwärtigen“werden darin sichtbar?

Das Leitmotiv „SpurendesGegenwärtigen“ist charakteristisch für meineArbeiten. Ichfotografieredas, wasichseheinseiner vorgefundenen Wirklichkeit. EsistofteinDetail,ein Fragment, dasichauseinemgrößerenZusammenhangherauswahrnehmeund das meineAufmerksamkeitanzieht. IndiesermeinerReduktionerhältdas Detaileineneueminimalistisch klare und grafische Gewichtung. Eseröffnetsicheineneue Bedeutung, ein neuer Blick auf das Fotografierte, das nahezu unbearbeitet bleibt. So entsteht ein neues Sehen auf das Wesentliche: Es ist die Schönheit des Augenblicks.

 

 

2) Wie entsteht Deine Arbeit von der ersten Idee bis zur Fertigstellung und welche Rolle spielt dabei Deine Darstellungsweise?

 „Ich entdecke in den Gegenständen etwas Neues – eine andere Formgebung, ein anderes Farbspiel, das für mich die Ausgewogenheit des Augenblicksausmacht.“ So entsteht ein einzelnes Werk. Im nächsten Schritt beginnt die Herausforderung, dieses eine Foto mit einem anderen zu kombinieren: ein Paar, ein Diptychon,eine Serie zu finden, die in ihrem Zusammenspiel eine Geschichte erzählen oder sich gegenseitig ergänzen.