Kategorie: Gabriele Pöhlmann


Gabriele Pöhlmann (*1957 in Nürnberg) studierte von 1975 bis 1979 Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wo sie als jüngste Studentin ihres Jahrgangs in der Malklasse von Prof. Voglsamer arbeitete. Früh entschied sie sich bewusst für die künstlerische Praxis – getragen von einer intensiven, bereits in der Kindheit angelegten Auseinandersetzung mit Kunst. Heute lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Lenggries in Oberbayern.

Pöhlmann versteht Malerei als existenziellen Erfahrungsraum. Ihre Arbeiten entstehen aus einem inneren Impuls heraus – als Annäherung an Fragen nach Herkunft, Sinn und Zukunft. Farbe ist dabei nicht dekoratives Mittel, sondern energetischer Träger von Empfindung und Bewusstsein. In vielschichtigen Bildräumen verdichten sich Wahrnehmung, Erinnerung und Intuition zu Kompositionen, die zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung oszillieren. Das Sichtbare wird zum Resonanzraum für das, was sich rationaler Eindeutigkeit entzieht.

Ihre Werke wurden in zahlreichen Institutionen und Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Rahmen von „4 Farbwelten“ im Kloster St. Urban (Schweiz) sowie bei Präsentationen in München, Venedig und Köln. Pöhlmanns künstlerische Haltung ist von einer wachen Sensibilität geprägt – von der Überzeugung, dass Malerei ein Mittel ist, hinter die Oberfläche der Erscheinungen zu blicken und Wahrnehmung neu zu justieren.

Gabriele Pöhlmann

Q&A mit den Künstlerinnen und Künstlern:

Die Ausstellung ARTIFICIAL? Spuren des Gegenwärtigen vereintArbeiten, die unsere Wahrnehmung hinterfragen. Realität erscheint dabei nicht als gegeben, sondern als etwas, das ständig angeeignet wird. ARTIFICIAL? stelltin Frage, ob das, was wir sehen und erleben, nicht immer schon gemacht, konstruiert und vermittelt ist.

1) Wie setzt sich DeineArbeit mit Wirklichkeit und deren Konstruktion auseinander und welche „Spuren des Gegenwärtigen“ werden darin sichtbar?

Über das Gewicht des Flüchtigen

Meine Stillleben zeigen Alltagsgegenstände wie Coladosen, Erdbeeren oder Gummibärchen – Dinge des schnellen Konsums, vertraut und scheinbar belanglos.

Durch ihre Vergrößerung entziehe ich sie der Selbstverständlichkeit. Das Monumentale macht das Vergängliche sichtbar. Oberfläche, Glanz und Verführung treten in den Vordergrund – und zugleich ihre Brüchigkeit.

In der Tradition des Memento Mori erinnern diese Bilder daran, dass auch das Süße, das Begehrte und das Alltägliche nicht von Dauer sind. Was bleibt, ist der Moment zwischen Genuss und Verfall.

2) Wie entsteht Deine Arbeit von der ersten Idee bis zur Fertigstellung und welche Rolle spielt dabeiDeine Darstellungsweise


Ausgangspunkt meiner Arbeiten sind oft zufällige Begegnungen – Momente, Objekte oder Konstellationen, auf die mein Auge trifft und die in mir den Impuls auslösen, sie künstlerisch zu erfassen. Diese flüchtigen Entdeckungen halte ich zunächst fotografisch fest.

Die Fotografie dient mir dabei nicht nur als Dokumentation, sondern als Ausgangsmaterial: Ich bearbeite sie digital und nutze sie anschließend als Grundlage für die weitere bildnerische Ausarbeitung. In einem anschließenden Prozess übertrage und transformiere ich das Motiv in ein eigenständiges Werk, das sich von der ursprünglichen Aufnahme löst und eine neue, verdichtete Bildrealität entstehen lässt.

Der Zufall wird so zum Ausgangspunkt eines bewussten künstlerischen Prozesses – vom Sehen über das Fotografieren bis hin zur malerischen oder zeichnerischen Ausarbeitung.