Kategorie: Suse Kohler
Suse Kohler, geboren 1968 in Oberammergau, lebt und arbeitet als bildende Künstlerin am Tegernsee. Ihre Werke bewegen sich zwischen kraftvollem Ausdruck und feiner Emotionalität – sie erzählen von Persönlichkeiten, Blicken, Momenten und dem, was darunterliegt.
Ausgebildet wurde sie an der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor, unter anderem bei Prof. Markus Lüpertz. Seitdem zeigt sie ihre Arbeiten regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen – u. a. in München, Rom, Venedig und am Tegernsee, wo sie mit ihren großformatigen Porträts und farbintensiven Serien längst zu einer prägenden Stimme der regionalen Kunstszene geworden ist.
Suse Kohlers neueste Werkreihe erinnert an die Begegnung zwischen Jane Goodall, Primatenforscherin und dem Schimpansen David Greybeard im Gombe Stream Nationalpark, Tansania, 1960.
Die Portraits erzählen nicht von Entdeckung im kolonialen Sinne, sondern von Annäherung: von der Fähigkeit des Menschen, still zu werden, und vom Mut des Tieres Vertrauen zu schenken. In dieser leisen Übereinkunft liegt eine zeitlose Botschaft über Respekt, Empathie und die Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders.
Schon als junges Mädchen war Goodall ein Vorbild für mich - ihr Mut, ihre Weisheit und ihr unermüdlicher Einsatz bis ins hohe Alter inspirieren mich bis heute. Ihre Lebensgeschichte beeindruckt mich zutiefst.
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Jane Goodall, Primatenforscherin
Normaler Preis €7.704,00 EURNormaler PreisGrundpreis / proVerkaufspreis €7.704,00 EUR -
David Greybeard
Normaler Preis €7.704,00 EURNormaler PreisGrundpreis / proVerkaufspreis €7.704,00 EUR -
Shoulder Buddy, Rio
Normaler Preis €5.885,00 EURNormaler PreisGrundpreis / proVerkaufspreis €5.885,00 EUR -
Samba all night
Normaler Preis €5.885,00 EURNormaler PreisGrundpreis / proVerkaufspreis €5.885,00 EUR
Q&A mit den Künstlerinnen und Künstlern:
Die Ausstellung ARTIFICIAL? Spuren des Gegenwärtigen vereintArbeiten, die unsere Wahrnehmung hinterfragen. Realität erscheint dabei nicht als gegeben, sondern als etwas, das ständig angeeignet wird. ARTIFICIAL? stelltin Frage, ob das, was wir sehen und erleben, nicht immer schon gemacht, konstruiert und vermittelt ist.
1) Wie setzt sich Deine Arbeit mit Wirklichkeit und deren Konstruktion auseinander und welche „Spuren des Gegenwärtigen“ werden darin sichtbar?
Ein exemplarisches Beispiel ist mein Porträt von Jane Goodall. Sie steht für eine Haltung, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit grundlegend verschoben hat. Durch ihre jahrzehntelange Arbeit in Tansania hat sie nicht nur das Verhalten von Schimpansen erforscht, sondern die Grenze zwischen Mensch und Tier neu definiert. Sie hat Individualität erkannt, wo zuvor Instinkt vermutet wurde. Beziehung, wo Distanz behauptet wurde.
Mich interessiert an ihr weniger die Ikone der Wissenschaftlerin als die Konsequenz ihrer Haltung: Geduld, Beobachtung, Empathie. Ihre Forschung war radikal, weil sie Nähe zuließ. Sie konstruierte keine objektive Distanz, sondern entschied sich für Beziehung als Erkenntnisform.
In meinem Porträt versuche ich genau diese Haltung sichtbar zu machen. Nicht das historische Dokument, sondern die innere Präsenz. Der Blick zwischen Mensch und Tier wird zum Spiegel unserer eigenen Gegenwart. In einer Zeit ökologischer Krisen und wachsender Entfremdung von Natur erscheint ihre Arbeit aktueller denn je.
Hier werden die „Spuren des Gegenwärtigen“ deutlich: die Frage nach Verantwortung, nach Verbundenheit, nach einem erweiterten Begriff von Menschlichkeit. Das Porträt wird so zu einem Resonanzraum – nicht nur für ihre Geschichte, sondern für unsere eigene.
2) Wie entsteht Deine Arbeit von der ersten Idee bis zur Fertigstellung und welche Rolle spielt dabei Deine Darstellungsweise?
Am Anfang steht keine Form, sondern eine Frage. Keine Ästhetik – sondern eine Haltung.
Ich sammle, lese, beobachte. Die intensive Beschäftigung mit Biografie, Brüchen und Widersprüchen ist Grundlage meiner Arbeit. Mich interessiert nicht das bekannte Bild, sondern der Kern – der Moment, in dem sich eine Persönlichkeit verdichtet.
Die Komposition entsteht bewusst. Blickrichtung, Körperhaltung, Maßstab und Reduktion werden präzise gesetzt. Meine Arbeiten sind durchdacht, fast choreografiert.
Der zentrale Zugang sind für mich die Augen. Sie sind Präsenz, Widerstand, Einladung zugleich. Über sie entsteht der Dialog zwischen Werk und Betrachter. Meine Formate sind bewusst so gewählt, dass eine Begegnung auf Augenhöhe stattfindet – physisch wie psychologisch. Das Porträt soll nicht konsumiert, sondern erwidert werden. Es geht um diesen stillen Moment der Konfrontation, in dem ein innerer Austausch beginnt.
Der malerische Prozess selbst ist konzentriert und körperlich. Ich arbeite überwiegend in Öl auf Leinwand, häufig in größeren Formaten. Größe erzeugt Präsenz. Die Figur tritt dem Betrachter gegenüber – nicht als Objekt, sondern als Gegenüber.
Meine Darstellungsweise ist klar und reduziert. Ich verzichte auf dekorative Überladung. Farbe trägt Bedeutung, Licht strukturiert den psychologischen Raum. Der Hintergrund ist kein Beiwerk, sondern atmosphärischer Resonanzraum.
Während des Malens verdichte ich. Ich nehme zurück, übermale, schärfe nach, bis das Bild eine Selbstverständlichkeit erreicht – einen Zustand, in dem es nicht mehr gemacht wirkt, sondern notwendig.
Am Ende steht kein dekoratives Werk, sondern eine Haltung im Raum. Meine Bilder stellen Fragen. Sie entstehen aus der Gegenwart und zielen auf etwas Zeitloses. Sie wollen Wirklichkeit nicht abbilden, sondern bewusst machen. Es ist eine Aufforderung zum Dialog.